Leben mit einer Großfamilie

Nun da deutlich sichtbar ist, dass wir unsere Familie um ein weiteres Mitglied vergrößern, haben unsere Mitmenschen dazu auch des öfteren etwas zu sagen. Meist ist das ein Kommentar zwischen Bewunderung oder auch Verwunderung in irgendeiner, eigentlich meist netten Form. Die Fragen reichen von wie groß unser Kühlschrank wohl sei über die Menge des wöchentlichen Einkaufs. Die meisten muss ich da dann enttäuschen, wir haben einen Kühlschrank in der Küche und einen im Vorratskeller, beide in normaler Dimension und wenn ich meine Wocheneinkäufe mit denen von Familien mit zwei oder drei halbwüchsigen Kindern vergleiche, ist das bei uns nicht mehr. Im Gegenteil.
Viele Menschen meinen dann auch sich fast entschuldigen zu müssen, dass sie ja nur zwei Kinder haben und wie das denn zu schaffen sei mit so vielen. Ich verstehe das Interesse, ging es mir doch genau so als ich zwei oder drei Kinder hatte. Es hat mich immer hingezogen zu Müttern mit mehreren, ich war interessiert an deren Leben an deren Einstellung zum Kinderreichtum, aber ich glaube ich war nicht so offen verwundert darüber sondern eher voll stiller Bewunderung und ich fand das nachahmenswert… auf jeden Fall.

Heute sagte ich zu einer „nur“ Zwillingsmutter, dass es doch die Hauptsache sei, dass die Kinderzahl und die Lebensumstände eben genau für diese Familie passen. Dass alle miteinander glücklich sind, keiner sich überfordert fühlt und man sein Leben lebt.
Das stieß auch auf Verwunderung… dabei ist es doch so einfach, oder?

Und schon klar, wir leben hier nicht die „Norm“… was auch immer das ist und ich sehe schon, dass eine voll berufstätige Mutter mit zwei Kindern auch sehr gefordert ist und auch ziemlich jonglieren muss im Alltag, anders als ich hier, aber bestimmt nicht unähnlich. Und ich betrachte es auch als Geschenk, vielleicht sogar als Privileg, dass wir so viele Kinder beim Aufwachsen begleiten dürfen und wir dazu Platz und finanzielle Möglichkeit haben, dass hier nie einer allein ist (was, ganz klar, nicht immer nur Segen ist) und dass wir später wohl ein großes Zelt in den Garten stellen müssen, wenn alle Kinder mit ihren eigenen Familien zu Besuch kommen… das ist eine Vorstellung, bei der ich übers ganze Gesicht strahlen könnte, etwas, das mich unendlich glücklich macht und mich bisher noch aus jeder Krise gerettet hat… Vorfreude pur!

Und da sind wir ganz klar bei der Organisation, die ist einfach essentiell. Für alle Familien, finde ich… ich mache das auch gerne… schreibe Listen über Listen, schon immer, plane den Wochenspeiseplan und die Einkäufe. Ich würde sagen, ich bin gut organisiert. Das tut gut, erleichtert mir das Leben und hilft uns allen. Die Kinder ahmen das nach und profitieren.
Überhaupt, glauben wir, dass Kinder von vielen Geschwistern profitieren. Sie lernen von den Großen, auch das sich abgrenzen. Die großen wiederum lernen Verantwortung und Organisation und so viel mehr, viele Dinge und Werte, die man gar nicht in Worte fassen kann, die ich aber mit Stolz und nassen Augen sehe, wenn die Kinder neue Situationen völlig ohne Probleme meistern, wenn sie sich mühelos überall einfügen (nicht unterordnen) können, wenn ich sehe, dass es überhaupt kein Problem darstellt für eines der großen Kinder ans andere Ende der Welt zum Schüleraustausch zu einer fremden Familie zu fliegen und sich dort mehr als gut zurecht zu finden oder wenn es selbstverständlich ist, dass meine knapp dreijährige am Spielplatz erkennt, dass ein anderes Kind am Klettergerüst Hilfe braucht und die Mama von diesem Kind aber gerade ihr Baby stillt und nicht kann, diese Reihe ließe sich endlos fortsetzen und ja, es gibt Tage, vielleicht auch mal länger, da muss einer zurück stecken, da geht einer fast unter, weil ein anderer gerade so viel braucht, aber auch das ist Leben in Fülle….

So viel will ich aber gar nie sagen, wenn ich meist zwischen Tür und Angel „angewundert“ werde….die Kurzfassung meiner/unserer Lebenszufriedenheit habe ich leider noch nicht gefunden.

Jedenfalls schaffen wir das mit acht bzw. bald neun Kindern. An manchen Tagen besser als an anderen und an einigen Tage mit mehr Zufriedenheit als an anderen.An Wochen wie der letzten auch mit sehr viel Kraftaufwand, wenn die Hälfte unpassenderweise krank ist und alle Pläne umgeschmissen werden müssen und es statt einem kinderfreien Mama- und Papa-Wochenende Krankenstation zu Hause gibt…aber auch das geht wieder vorbei.
Und auf jeden Fall freuen wir uns riesig, dass wir bald noch ein kleines Wunder bei uns willkommen heißen dürfen.

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